Wenn man draußen unterwegs ist, dann erlebt man auch immer wieder Abenteuer. Wenn man sechs Wochen unterwegs ist, dann erlebt man viele Abenteuer. Wenn noch dazu ein Pferd mit von der Partie ist, werden diei Abenteuer immer abenteuerlicher, oder manchmal auch einfach nur lustig. Ilena und ich machen da keine Ausnahme.
So zum Beispiel Ilenas Angst vor flatternden und klappernden Gegenständen seit unserem "Kartenunfall" am 3. Tag. Es hat sich schon viel gebessert, sie springt schon lange nicht mehr bei jedem LKW zur Flucht über den Graben. Ein Regecape aber, das auch Ilena zur Hälfte abdeckt und von einem heftigen Windstoß aufgebläht wird, versetzt sie manschmal so sehr in Schrecken, dass sie über die Felder losgaloppiert. Ein Lob auf die gut sitzenden Satteltaschen! Meist lasse ich sie dann einfach ein Stückchen laufen. Das Energiespar-Gen kommt eh relativ schnell wieder durch, und sie beruhigt sich wieder. ;)
Ilena ist sehr geschickt darin geworden, sich aus selbst gelegten Fußfesseln am langen Strick wieder zu befreien. Im richtigen Moment das richtige Bein anheben, und alles löst sich von selbst. Meistens. Vor ein paar Tagen hat sie sich aber die Hinterbeine mit dem Strick so blöd verknotet, dass sie - aus dem Gleichgewicht gebracht - einfach umgefallen ist. Gott sei Dank im hohen Gras, und ich saß auch nicht drauf, aber Sattel, Packtaschen, ... (ich wiederhole das Lob ;) ). Zum Glück ist Ilena cool genug, auf Kommando einfach still zu halten (in diesem Fall mit allen Vieren in der Luft) und zu warten, bis ich sie wieder befreie.
Ein Abenteuer der etwas anderen Art gab es in den Weinhängen an der Mosel. Ich habe gerade die steilen Zickzack-Hänge bergab geführt, als Ilena irgendetwas in den Weinbergen so sehr beunruhigt hat, dass sie in einer unbeobachteten Sekunde auf dem Absatz kehrt gemacht hat und den Hang wieder hinauf galoppiert ist. Vielleicht 100m konnte ich mich eher stauchelnd als sicher laufend noch am Zügel festkrallen (das GPS sagte als Maximalgeschwindigkeit 23km/h), dann musste ich loslassen, um nicht selbst längs auf dem Asphalt zu landen. Das anschließende Hinterherrennen aus eigener Kraft (natürlich bergauf) war nicht minder anstrengend. Ich habe Ilenas gute und meine nicht ganz so gute Kondition verflucht und war mal wieder froh um Ilenas recht schnell durchkommendes Energiespar-Gen - und um das Labyrinth der Weinberg-Wege, das die oberhalb liegende Hauptstraße in große Entfernung gerückt hat. Dies war übrigens der erste Tag, von dem ich Muskelkater bekommen habe. ;)
Bei einem weiteren Abenteuer, das Gott sei Dank glimpflich ausgegangen ist, sind sowohl Ilena als auch ich auf dem Boden gelandet. Ein Feldweg mit links etwas niedriger liegendem Acker, ein rechts unerwartet auftauchender Hochsitz im Gebüsch, ein unbedachter Tritt nach links (ich diesmal auf dem Pferd) - und schon lagen wir da. Ilena auf meinem Bein, das jetzt eine dicke Beule hat, meine Nase von irgendetwas (vielleicht auch von mir selbst) blutig gehauen, und mit schmerzendem Nacken. Das ganze ging so schnell, und auch Ilena war so schnell wieder (zum Glück ruhig) auf den Beinen, dass ich gar nicht wusste, wie mir und uns geschah, und erstmal (mit dem Zügel in der Hand!) liegen geblieben bin. Mich checken, Ilena checken (die außer Matsch in Gesicht und an den Beinen nichts hatte), Kartentasche reparieren - alles ist gut gegangen.
Ein lustiger Teil unseres Alltags ist, dass Ilena grundsätzlich alles probieren möchte, was ich esse. Bei Rosinen, Studentenfutter oder Apfelringen kann ich ihre Begeisterung durchaus verstehen. Auch salzige Pistazienkerne leuchten mir ein. Aber Tofu-Schnitzel und Bier...? Nun ja, Überlebenskünstler essen alles. ;)