Dienstag, 9. September 2014

Begegnungen

Lange trage ich die Idee zu diesem Bericht schon mit mir herum, aber bisher fehlte mir noch etwas der Einstieg dazu. Ich wollte über die Menschen schreiben, die man unterwegs trifft. Mal ungeplant am Wegrand, mal Weil Ilena und ich in der Stadt oder auf einem Supermarkt-Parkplatz als skuriles Bild auffallen, und natürlich die vielen Menschen, die uns ein Quartier für die Nacht gegeben haben.
Bei der Planung für diesen Ritt war das Finden von Übernachtungsplätzen (vor allem für Ilena) eine meiner größten Sorgen. Hauptsächlich deshalb, weil es sich fast nicht planen ließ. Der Anfang in Eifel und Hunsrück war noch relativ einfach, weil es dort unzählige Wanderreitstationen gibt, die noch dazu in einer schön kleinen, übersichtlichen karte vermerkt sind, die in jedes noch so kleine Packmaß zu integrieren ist. Aber meine Route lief immer mehr aus diesem Gebiet heraus, auf das Internet konnte ich unterwegs nur sehr sporadisch zählen und außerdem (das war das Wichtigste) wollte ich mich nicht zu viele Tage im Voraus festlegen, um auf Wetter, Lust, Laune, Kondition oder schöne Orte spontan reagieren zu können. Von einer Freundin, die einmal eine ähnliche Tour mit Pferd unternommen hat, habe ich vor unserem Abritt gesagt bekommen, dass spontanes Unterkommen völlig problemlos funktioniert. Das war gut zu wissen (und letztendlich habe ich auch darauf vertraut), aber etwas mulmig war mir anfangs dabei schon.
Mittlerweile kann ich sagen: Die Realität hat meine Hoffnung noch bei Weitem übertroffen. Wir sind grundsätzlich und überall herzlich aufgenommen worden. Kein einziges Mal mussten wir einen zweiten Anlauf starten, wenn ich nach einer Übernachtung gefragt habe. Das Gleiche gilt für Bekanntschaften am Wegesrand, die ich nach dem Weg oder Wasser für Ilena gefragt habe.
Erstaunlicherweise war die Tatsache, mit Pferd unterwegs zu sein, dabei übrigens nicht nur nicht hinderlich (was ich befürchtet hatte), nein: Ilena ist ein regelrechter Türöffner. Die meisten Leute schauen erst etwas erstaund auf das ganze Gepäck an Ilena und meinen dann interessiert, dass wir wohl etwas länger als für einen Nachmittag unterwegs sind. Wenn sie dann Start und Ziel unserer Reise hören, sind viele Leute sehr beeindruck, dass man eine so lange Strecke mit Pferd zurück legen kann, schwelgen in Erinnerungen von eigenen Wanderritten, finden es mutig oder aufregend, dass wir zwei (die meiste Zeit) allein unterwegs sind oder nehmen sich vor, so eine Auszeit (egal ob mit oder ohne Tier) auch endlich einmal zu machen.
Was auch immer der Anknüpf-Punkt der Menschen aber auch ist: Es ist immer ein guter, offener, freundlicher. Das macht die vielen Kontakte so nett, und es macht es uns einfach, Anschluss und Hilfe zu finden.
Das Helfen ist übrigen noch ein ganz besonderes Thema: Entgegen dem fest sitzenden (eigenen) Klischee der Deutschen helfen die Menschen meiner Erfahrung nach sehr gern weiter. Es war eigentlich nie ein kurz angebundenes "Wenn's sein muss...", sondern fast immer ein herzliches "Klar doch!". Vielleicht macht es wirklich der Mehrheit der Menschen einfach Freude zu helfen, wenn man nur danach gefragt wird. Ich weiß nicht mehr, wie viele Stall- und Pferdebesitzer (trotz vielleicht anfänglicher Skepsis) beim Abritt am nächsten Morgen auf meine Frage hin, was sie von mir für die Übernachtung bekämen, mit einem breiten Stahlen sagten: "Ach quatsch, das passt schon!" udn mir noch ein paar Tips und Schokoriegel sowie eine Kontaktadresse für die nächste Nacht mit auf den Weg gaben. Dass ich auf der ganzen Tour mit allen befürchteten oder realen Hürden des Alltags SO viel Unterstützung und Hilfe, und das so herzlich, angeboten bekomme, hätte ich nicht gedacht.
An dieser Stelle daher ein ganz herzlicher Dank an alle meine Weggefährten!!!

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