Wie vermutlich fast jeder im mitteleuropäischen Raum mitbekommen hat, entspricht dieser Sommer nicht gerade dem, was er üblicherweise verspricht. Um nicht zu sagen: Grotten-kalt und triefend nass. So etwas bekommt man natürlich umso mehr zu spüren, wenn man den ganzen Tag draußen unterwegs ist. Um den Wetterbericht kümmere ich mich herzlich wenig, da er mir erstens üblicherweise nicht zur Verfügung steht und es mir zweitens auch nicht durch den Tag hilft zu wissen, dass es tausende von Schauern mit einer summierten riesigen Wassersäule geben soll. Eine Ausnahme machen dabei zwei Tage auf unserer Reise, an denen mich meine Gastgeber ob der (ihnen bekannten) Vorhersage etwas sorgenvoll anschauten und uns gut zuredeten, wir dürften doch gern noch einen Tag bleiben. Das haben wir dann auch getan, und das war gut so. ;)
Von diesen Ausnahmen aber einmal abgesehen haben wir anscheinendn einen Wetter-Schutzengel mit im Gepäck. Oder das Wetter kommt selten so schlimm wie Vorhersage und Erzählungen behaupten. Oder das Glück ist einfach mit den Reisenden. Wir haben jedenfalls in den letzten fünf Wochen nur drei oder vier WIRKLICH schlechte Regentage gehabt. Solche Tage, an denen man das Regencape so lange anlassen muss, bis es auch von innen schwitzwasser-nass ist und keine Chance hat, in den kurzen Regenpausen wieder zu trocknen. Tage, an denen sich das Wasser an den Handgelenken vorbei nach innen in die Jackenärmel zieht und einem dauerhaft klamme, nass-kalte Hände beschert.
Kräftige Schauer mit z.T. heftigem Wind oder Gewitter gab es hingegen schon häufiger, aber die lassen sich eigentlich unter besagtem Regencape, das das ganze Gepäck, mich von Kopf bis Fuß und Ilena von Schulter bis Schweif abdeckt, ganz gut abwettern. Außerdem sieht der Wald im Anschluss toll aus, wenn alles in der Sonne glitzert und blinkt, es noch leise tröpfelt und Dampf von den Wegen aufsteigt. Die Betonung liegt hier auf WENN. Denn sich nach dem Regen anschließende oder auch ganz allgemein auftauchende Sonne haben wir nicht übermäßig viel zu Gesicht bekommen. Oft war es wolkig, wechselhaft oder einfach nur grau. Einen Sonnenbrand habe ich mir nur in der ersten Woche eingefangen, die Sonnencreme liegt irgendwo tief unten in meiner Tasche.
Auch die Temperaturen waren oft ganz schön niedrig. Meine Merino-Jacke, die ich eigentlich für kühle Abend oder den späteren September mitgenommen hatte, habe ich fast permanent an. Vor zwei Tagen und nach einer frostigen Mittagspause habe ich vor dem Grundsatz kapituliert, meine Regenjacke nur zur Abwehr von Wasser anzuzhiehen - der Wind auf den Feldern war einfach zu kalt.
Schlussendlich aber kann ich mich wirklich nicht beschweren. Als Nordland-Mensch komme ich mit der Kälte viel besser klar (gut, dass Ilena und ich uns da einig sind), und ein paar Schauer und Regentage sind mir deutlich lieber als brüllende Hitze. Darum hatte ich mir im Vorhinein nämlich viel größere Sorgen gemacht.
Immer wieder Grund zum Schmunzeln sind übrigens die überbrachten und weitergereichten Wettervorhersagen, die mich durch Gastgeber, Wanderer oder sonstige Begegnungen erreichen: "Es soll besser werden, haben sie gesagt!" - und das schon seit mindestens drei Wochen. Ich glaube einfach stur weiter daran, dass das irgendwann auch zutrifft. ;)
Edit:
Den Bericht habe ich am 5.9. geschrieben, und promt darauf kam er auf unseren letzten Wandertagen wirklich, der schöne und warme Spätsommer, mit Morgennebel in den ersten Stunden. Wunderschön!
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