Freitag, 12. September 2014

Der letzte Tag

Der letzte Tag unserer langen Reise began sehr früh. Der Besitzer des Stalls, in dem wir übernachtet haben, kam schon um halb sieben zum Füttern, und da ich wie Ilena in einer der leeren Boxen im Stroh übernachtet habe, war damit auch für mich die Nacht vorbei.
Eine solche Stroh-Nacht bei den Pferden hatte ich mir, nachdem ich unterwegs so oft und so nett in den Wohnungen und Gästezimmern unserer Gastgeber untergekommen bin, noch einmal gewünscht. Noch einmal Luxus und Dusche gegen frühes Schlafen, Rascheln der Mäuse, beruhigendes Kauen der Pferde, gelegentliches Schnauben tauschen - ruhige Nacht-Geräusche im Pferdestall. (Anscheinend habe ich den Wunsch etwas zu laut gedacht, denn so sahen unsere letzten drei Nächte aus. ;) )
Draußen über den Feldern stand am frühen Morgen der Nebel, die Feuchtigkeit des heftigen Sommergewitters am Vorabend hing noch schwer in den Bäumen. Überall tropfte es, nur langsam kamen die Tag-Geräusche durch. Die ersten Bussarde kreisten und riefen über den Feldern. Spinnennetze im nassen Gras waren von Tau überzogen.
Und in diese Stille hinein stiefelten wir zwei los. Ilena ist, da ohne Hufeisen, eine gute Leise-Treterin, so haben wir dieses ruhige und schöne Bild nicht gestört. Langsam lichteten sich Nebel und Dunst mit fortschreitendem Tag und kräftiger werdender Sonne, es wurde richtig schön, sommerlich warm bei gleichzeitig frischer, klarer Luft.
Die Ruhe blieb den ganzen Tag, und das hat mich sehr gefreut. Vielleicht lag es daran, dass wir nur entspannte 16km zurück legen mussten, vielleicht daran, dass das Unterwegs-sein mit Ilena nach 5 1/2 Wochen einfach reibungslos funktioniert, ich genau weiß, dass wir auch schwierige Situationen meistern können, oder vielleicht auch einfach daran, dass es der letzte Tag war, den ich noch einmal ganz ausgiebig genossen habe.
Das Wetter tat weiterhin sein Bestes dazu: ich glaube, es war in der Hinsicht der schönste Tag der ganzen Reise. Die Mitagspause haben wir - wir haben ja Zeit! - auf herrliche zwei Stunden gestreckt. Sie hätte besser nicht liegen können: Waldrand mit Baumschatten und Sonnenflecken, Gras für Ilena, eine gemütliche Holzbank, fest verankert im Boden, so dass ich Ilena dort anbinden konnte. Blick über Ort und Felder, ein kleiner Flugplatz im Vordergrund mit startenden und landenden Fliegern.
Dann ein Anruf im neuen Stall: Ja, es passt, ich kann jetzt ankommen. Also noch ein letztes mal aufbrechen, Sonne, Felder, Kiefernwälder, Karpfenteiche. Die letzte Straße kenne ich von der Stallsuche vor zwei Monaten, eine Frau auf der Straße erkennt mich wieder.

Und dann sind wir da.

Ilena wird mit Äpfeln und Wasser, ich mit einem kühlen Radler empfangen. Satteltaschen abpacken, Decken auslüften, Pferde sich beschnuppern lassen. Eine Wiese für Ilena, eine Bank in der Sonne für uns Menschen.Wir sitzen und schauen dem Leben zu. Ilena sieht toll aus, mir geht es gut. :)

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